Zeugnis

   

Wie viele Jungen und Männer haben mich Kampfsport-Actionfilme fasziniert. Ich wollte auch aus der Drehung auf Kopfhöhe kicken können, wie die Darsteller in den Filmen es zeigten. In einem USA-Urlaub habe ich mir ein Nunchaku gekauft und zu Hause per Video Tai Chi geübt. Die Tai Chi-Bewegungen waren mir etwas zu langsam, und ich habe festgestellt, dass ich lieber einen Kampfsport mit schnellen, explosiven Techniken trainieren möchte. Während meines Studiums für Lehramt habe ich an einem Karatedo-Kurs im allgemeinen Hochschulsport teilgenommen. Karate hat mich sehr interessiert und begeistert. Ich habe mir viele Bücher über Kampfsport und -kunst gekauft. Die Philosophie, die hinter diesen Systemen stand, begann mich sehr zu faszinieren. Nach Meinung einiger Autoren sollte durch das Ausüben der fernöstlichen Kampfkünste das Chi, die universelle Energie, gestärkt werden. Die Übungsformen sollten nach dem Prinzip des Yin und Yang aufgebaut sein, den Urprinzipien des chinesischen Universismus. Der Do wurde als der Weg beschrieben, den der Kampfkünstler im Sinne des Zen-Buddhismus zu gehen hat und dessen Ziel das Satori ist, die Erleuchtung, nach der die Anhänger des Zen streben. Dies sollte erreicht werden, indem sich der Ausübende innerlich leer macht und in der Meditation versenkt. Einige Lehrer und Meister dieser Systeme sind der Überzeugung, man könne nur ein richtiger Kampfsportler sein, wenn man auch die religiösen Komponenten mit einbezieht. Der bekannte Karatemeister Oyama sagte dazu: "Karate ist Zen und Zen ist Karate". Da die Bücher Meditationstechniken als unabdingbar für das Erreichen höherer Stufen in der Kampfkunst empfahlen, hätte ich beinahe einen Kurs über Zen-Meditation an der Uni belegt.

In dieser Zeit habe ich im Internet die Homepage der Vereinigung Christlicher Kampfsportler entdeckt und wurde Webmaster der Seite. Auf unseren Treffen und per E-Mail haben wir über Christsein und Kampfsport und die esoterischen Komponenten der fernöstlichen Kampfkünste diskutiert. Da ich viele Bücher zum Thema hatte, habe ich mich sehr genau mit dieser Frage auseinandergesetzt und für mich die Entscheidung getroffen, dass ich keine Sportart ausüben möchte, deren Training Elemente nichtchristlicher Religionen enthält. Darunter fallen die Kampfsportarten, die mit fernöstlicher Esoterik und der Lehre des Zen-Buddhismus oder Taoismus durchdrungen sind und den Einbezug deren Elemente in das Training fordern. Ich kenne einige Christen, die das Ausüben dieser Systeme mit ihrem Glauben vereinbaren können. Sie argumentieren, dass man die reinen Techniken von den religiösen Komponenten trennen kann. Ihre Aussagen kann ich akzeptieren, habe für mich persönlich aber festgestellt, dass sie mir nicht weit genug gehen. Im Römerbrief steht geschrieben, dass manche Dinge für manche Christen in Ordnung sind und für andere nicht. Man soll keinen Anstoß erregen und keinen schwächeren Bruder zum Straucheln bringen.

Ich hatte sogar überlegt, ganz mit dem Kampfsporttraining aufzuhören. Selbiges ist aber sehr gesund, trainiert den gesamten Körper und macht Spaß. Deshalb habe ich begonnen, Kickboxen und Fitness-Boxen zu trainieren. Außerdem habe ich angefangen, mich mit den modernen und der westlichen Mentalität angepassten Selbstverteidigungssystemen Anti Terror Streetfight (ATS), Reality-Self-Defense (RSD) und Krav Maga (israelische Selbstverteidigung) zu beschäftigen. Inzwischen habe ich den schwarzen Gürtel und das Trainer Diplom. Es gibt viele Kampfsportarten, die auf fernöstliche religiöse und esoterische Inhalte verzichten. Wenn ich Selbstverteidigung trainiere, verzichte ich bewusst auf diese Elemente. Ich bin der Meinung, dass jeder Kampfsport und Selbstverteidigung ohne fernöstliche religiöse und esoterische Komponenten trainieren kann und dass es keinen Grund gibt, diese in das Training oder System einzubauen, außer man ist z. B. Buddhist oder Taoist. Als Christ benötige ich keine Erleuchtung durch Meditation, kein Einswerden mit dem Kosmos und keine Selbsterlösung durch esoterische Kampfkünste. Ich brauche den Gott über den in Hebräer 13,6 geschrieben steht: "Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten." Der Weg zu Gott ist nicht der Weg der Selbsterlösung, der in einigen Büchern über Kampfkunst propagiert wird, sondern Jesus Christus, der in Johannes 14, 6 sagt: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich."